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Eine chronologische Ansicht aller Updates und Änderungen auf tender.garden.
16. Juli 2025
17 Updates
Angst, andere zu überstrahlen
Die Angst, andere zu überstrahlen (auf Englisch oft Fear of Outshining) ist eine Form der Selbstsabotage, bei der wir uns bewusst klein halten, um keine negativen Gefühle bei anderen auszulösen. - Eigene Erfolge, Wissen oder Fähigkeiten herunterspielen - Genau beobachten, wie viel wir von uns zeigen, und unser Verhalten an die jeweilige Umgebung anpassen - Schuld oder Scham in Bezug auf Erfolg empfinden - Ängste und Unsicherheiten, nachdem wir Raum eingenommen oder etwas geteilt haben, das uns am Herzen liegt Die Angst, andere zu überstrahlen wird oft mit dem Upper Limit Problem in Verbindung gebracht. Die Angst, andere zu überstrahlen steht in engem Zusammenhang mit der Angst vor Bestrafung und der Angst vor Verurteilung. Wenn wir früh im Leben gelernt haben, dass wir für unser Strahlen „bestraft“ werden (zum Beispiel indem wir Neid ausgelöst und daraufhin Ablehnung erfahren haben), beginnen wir, uns je nach Umfeld anzupassen und zurückzunehmen. Diese Angst kann auch durch unsere eigene Verurteilung anderer verstärkt werden: Wenn wir bestimmte Anteile von uns vor manchen Menschen zurückhalten, könnte das bedeuten, dass wir insgeheim glauben, in diesem Bereich „besser“ zu sein. Was helfen kann: Shadow Work und die Erkenntnis, dass jeder Mensch unterschiedliche Stärken und Schwächen hat. Erfolg in einem Bereich mindert nicht den Wert anderer.
Angst vor Bestrafung
Angst vor Bestrafung kann uns bremsen. Anstelle Verantwortung für unsere Fehler zu übernehmen und aus ihnen zu lernen, versuchen wir sie zu umgehen und "perfekt" zu handeln.
Angst vor Verurteilung
Angst vor Verurteilung bedeutet, dass wir uns Sorgen darüber machen, wie wir auf andere wirken und ob wir negativ beurteilt werden könnten. Wir fürchten uns vor Schuldzuweisung, Ablehung und Bestrafung.
Angst
Wie können wir Angst als Motivation zur Veränderung nutzen, statt als etwas, was uns zurückhält? - Angst vor Bestrafung - Angst vor Verurteilung - Angst, andere zu überstrahlen
Artikel: Damien Echols über Spirituelles Ego
Auf seiner Patreon-Seite hat Damien Echols einen Artikel mit dem Titel The Shadow Fed by Light: How Magick Can Inflate the Ego (Der Schatten gefüttert von Licht: Wie Magick das Ego aufblähen kann) veröffentlicht. Dieses Phänomen wird oft als spirituelles Ego bezeichnet. Zitate auf dieser Seite sind frei übersetzt von der englischen Version des Artikels. "Macht – echte Macht – verstärkt nicht nur das Heilige. Sie verstärkt alles." "Magick unterscheidet nicht. Sie ist keine moralische Kraft. Sie ist ein Werkzeug. Und wenn du Chi oder Spiritus aufnimmst oder einen planetaren Strom beschwörst, füllt das nicht nur die Teile in dir, die du wachsen lassen willst. Es füllt dich ganz aus. Jede Kammer. Jeden Riss." "Die Energie lügt nicht. Sie fließt einfach. Und wenn du dir der Strukturen, in die sie fließt, nicht bewusst bist, verstärkst du womöglich genau die Illusionen, die du eigentlich überwinden willst." "Du wirst das anfangs auf subtile Weise bemerken. Ein wenig mehr Selbstgefälligkeit. Ein schärferer Ton in deinen Online-Posts. Die schleichende Überzeugung, dass du weiter bist als andere." "Niemand kommt in der Magie weit, ohne diesem Schatten früher oder später zu begegnen. Und die, die wirklich weit kommen? Das sind diejenigen, die lernen, sich zu verneigen – nicht vor äußeren Göttern, sondern vor der Arbeit selbst. Sie verstehen, dass je mehr Macht du kanalisiert, desto mehr Verantwortung du trägst – nicht nur in der Welt, sondern auch in dir." "Deshalb sind Erdungspraktiken – Zazen, Kampfkünste, täglicher Dienst, Kaizen – nicht optional." "Und mehr als alles andere ist es deshalb wichtig, sich selbst zu beobachten. Achte auf deinen Ton. Deinen Impuls zu korrigieren. Den Teil in dir, der sich beleidigt fühlt, wenn jemand deine Erkenntnisse nicht anerkennt. Das sind keine Makel, für die man sich schämen sollte – es sind Signale. Sie zeigen dir, wo die Energie ins Ego statt in die Seele fließt."
Artikel: Damien Echols über Spirituelles Ego
Auf seiner Patreon-Seite hat Damien Echols einen Artikel mit dem Titel The Shadow Fed by Light: How Magick Can Inflate the Ego (Der Schatten gefüttert von Licht: Wie Magick das Ego aufblähen kann) veröffentlicht. Dieses Phänomen wird oft als spirituelles Ego bezeichnet. Zitate auf dieser Seite sind frei übersetzt von der englischen Version des Artikels. "Macht – echte Macht – verstärkt nicht nur das Heilige. Sie verstärkt alles." "Magick unterscheidet nicht. Sie ist keine moralische Kraft. Sie ist ein Werkzeug. Und wenn du Chi oder Spiritus aufnimmst oder einen planetaren Strom beschwörst, füllt das nicht nur die Teile in dir, die du wachsen lassen willst. Es füllt dich ganz aus. Jede Kammer. Jeden Riss." "Die Energie lügt nicht. Sie fließt einfach. Und wenn du dir der Strukturen, in die sie fließt, nicht bewusst bist, verstärkst du womöglich genau die Illusionen, die du eigentlich überwinden willst." "Du wirst das anfangs auf subtile Weise bemerken. Ein wenig mehr Selbstgefälligkeit. Ein schärferer Ton in deinen Online-Posts. Die schleichende Überzeugung, dass du weiter bist als andere." "Niemand kommt in der Magie weit, ohne diesem Schatten früher oder später zu begegnen. Und die, die wirklich weit kommen? Das sind diejenigen, die lernen, sich zu verneigen – nicht vor äußeren Göttern, sondern vor der Arbeit selbst. Sie verstehen, dass je mehr Macht du kanalisiert, desto mehr Verantwortung du trägst – nicht nur in der Welt, sondern auch in dir." "Deshalb sind Erdungspraktiken – Zazen, Kampfkünste, täglicher Dienst, Kaizen – nicht optional." "Und mehr als alles andere ist es deshalb wichtig, sich selbst zu beobachten. Achte auf deinen Ton. Deinen Impuls zu korrigieren. Den Teil in dir, der sich beleidigt fühlt, wenn jemand deine Erkenntnisse nicht anerkennt. Das sind keine Makel, für die man sich schämen sollte – es sind Signale. Sie zeigen dir, wo die Energie ins Ego statt in die Seele fließt."
Bestrafung
Eine Gesellschaft, die auf Fehler mit Schuldzuweisung und Bestrafung reagiert, führt zu hoher Angst vor Bestrafung and dadurch dem Leugnen von Fehlern statt einer Übernahme von Verantwortung. „Es überrascht mich nicht zu hören, dass es in Kulturen, in denen die Menschen in Begriffen menschlicher Bedürfnisse denken, deutlich weniger Gewalt gibt als in Kulturen, in denen die Menschen einander als ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ etikettieren und glauben, dass die ‚schlechten‘ bestraft werden müssen.“ – Marshall B. Rosenberg in Gewaltfreie Kommunikation "Ich bin der Überzeugung, dass es im Interesse aller liegt, dass Menschen sich nicht verändern, um Strafe zu vermeiden, sondern weil sie den Wandel als für sich selbst vorteilhaft erkennen." – Marshall B. Rosenberg in Gewaltfreie Kommunikation
Buch: All About Love
All About Love ist ein bekanntes Buch von bell hooks. Zitate auf dieser Seite sind frei übersetzt von der englischen Version des Buchs. "Um unsere Herzen dem Vermögen und der Gnade der Liebe stärker zu öffnen, müssen wir den Mut haben anzuerkennen, wie wenig wir über Liebe sowohl in der Theorie als auch in der Praxis wissen." "_Das Wort ‚Liebe‘ wird am häufigsten als Substantiv definiert, doch alle klugen Theoretiker*innen der Liebe erkennen an, dass wir alle besser lieben würden, wenn wir es als Verb verwenden würden." "Indem wir stets damit beginnen, Liebe als Handlung und nicht als Gefühl zu betrachten, übernimmt jede Person, die das Wort auf diese Weise verwendet, automatisch Verantwortlichkeit und Verantwortung." "Einer der wichtigsten sozialen Mythen, den wir entkräften müssen, wenn wir eine liebevollere Kultur werden wollen, ist der, der Eltern lehrt, dass Missbrauch und Vernachlässigung gemeinsam mit Liebe existieren können." "Viele Menschen lernen bereits in der Kindheit zu lügen. Meistens beginnen sie zu lügen, um Bestrafung zu entgehen oder einen Erwachsenen nicht enttäuschen oder verletzen zu müssen." "In viel zu vielen Fällen werden Kinder bestraft, weil sie aufrichtig auf eine Frage antworten, die ihnen eine erwachsene Autoritätsperson gestellt hat." "Wenn wir die Gedanken, Überzeugungen und Gefühle eines anderen Menschen hören, fällt es uns schwerer, auf sie unsere eigenen Wahrnehmungen darüber zu projizieren, wer sie sind." "Jedes Erwachen zur Liebe ist ein spirituelles Erwachen."
Buch: Existential Kink
Existential Kink ist eine Methode zur Schatten-Integration, die von Carolyn Lovewell bekannt gemacht wurde. In ihrem Buch Existential Kink: Unmask Your Shadow and Embrace Your Power – a Method for Getting What You Want by Getting Off on What You Don't erzählt sie zahlreiche Geschichten und bietet Übungen an, die zeigen, wie Leser*innen ihre verborgenen Wünsche nicht nur erkennen und akzeptieren, sondern sogar annehmen und genießen können. "Solange wir unbewusste (verdrängte, verleugnete, abgespaltene) Freude an etwas 'Negativem' in unserem Leben haben, werden wir genau dieses 'Negative' immer wieder suchen." Im Buch verweist Carolyn häufig auf ein Zitat, das Carl Jung zugeschrieben wird: "Bis du das Unbewusste bewusst machst, wird es dein Leben bestimmen – und du wirst es Schicksal nennen." – Carl Jung Solange wir unsere verborgenen Muster nicht akzeptieren, wiederholen wir sie – immer und immer wieder. History repeats itself. In Existential Kink stellt Carolyn viele Übungen vor, die dabei helfen, das Unbewusste bewusst zu machen. - Deepest Fear Inventory
Deepest Fear Inventory
Deepest Fear Inventory (Inventar der tiefsten Ängste) ist eine Stream of Consciousness Writing Übung von Carolyn Lovewell aus ihrem Buch Existential Kink. Ziel dieser Übung ist es: - Alle Ängste aufzuschreiben, die dich derzeit davon abhalten, eine bestimmte Veränderung in deinem Leben vorzunehmen - Diese Ängste anzunehmen, indem du sie laut aussprichst - Sie loszulassen, indem du das beschriebene Blatt Papier zerreißt Nimm ein Blatt Papier und beginne mit einem Satz wie: "Liebes Universum, ich weigere mich, [füge hier deinen Wunsch ein] zu haben/zu tun, weil..." Dann schreibe eine Liste mit Stichpunkten, in denen du alles notierst, was dich möglicherweise zurückhält: - "ich Angst habe, dass ich..." - "ich Angst habe, dass ich..."
Spirituelles Ego
Spirituelles Ego is das Phänomen, wenn die spirituelle Praxis und die von ihr ausgelöste Ermächtigung dazu führt, dass das Ego aufgebläht wird. "Die Energie lügt nicht. Sie fließt einfach. Und wenn du dir der Strukturen, in die sie fließt, nicht bewusst bist, verstärkst du womöglich genau die Illusionen, die du eigentlich überwinden willst." – Damien Echols in The Shadow Fed by Light Shadow Work hilft, diese Teile des Selbst zu integrieren.
Verurteilung
Wenn wir uns selbst und andere verurteilen (judgen), hängt das oft mit binärem Denken zusammen: richtig oder falsch, gut oder schlecht. Solange wir uns selbst für unsere Fehler verurteile, werden wir das auch bei anderen tun. Angst vor Verurteilung hält uns zurück. "Eine Form lebensentfremdender Kommunikation ist der Einsatz moralischer Urteile, die ein Fehlverhalten oder eine Falschheit der Menschen nahelegen, die nicht im Einklang mit unseren Werten handeln." – Marshall B. Rosenberg in Gewaltfreie Kommunikation "Schuldzuweisungen, Beleidigungen, Abwertungen, Etikettierungen, Kritik, Vergleiche und Diagnosen sind alles Formen von Urteil." – Marshall B. Rosenberg in Gewaltfreie Kommunikation
Artikel: Damien Echols über den Geist des Kriegers
Auf seinem Patreon hat Damien Echols einen Artikel mit dem Titel The Warrior’s Mind: Discipline as a Sacred Fire (Der Geist des Kriegers: Disziplin als heiliges Feuer) veröffentlicht. Er verwendet das Bild des Kriegers, um zu zeigen, wie alltägliche Disziplin eine zentrale Fähigkeit auf dem Weg der Transformation ist, einschließlich: Selbstbeherrschung, Sinn (Purpose), emotionaler Resilienz, Präsenz, Demut, Einsatz und Integrität, Stille und Alleinsein. Zitate auf dieser Seite sind frei übersetzt von der englischen Version des Artikels. "Menschen glauben, Krieger würden im Kampf geschmiedet. Doch in Wahrheit offenbart der Kampf nur die Schneide, die du bereits geschärft hast." "Ich habe Käfige aus Beton erlebt – und Käfige aus Bequemlichkeit." "Was also definiert den Geist eines wahren Kriegers? Es ist nicht Aggression. Es ist nicht Furchtlosigkeit. Es ist nicht Dominanz. Es ist Klarheit. Disziplin. Präsenz. Sinn." Und das geschieht nicht einfach so. Du kultivierst es – jeden Tag. "Selbstbeherrschung bedeutet nicht Bestrafung. Sie bedeutet Souveränität. Die Fähigkeit, deinen eigenen Geist, Körper und deine Emotionen zu beherrschen. Zu trainieren, wenn du müde bist. Mit Bedacht zu sprechen, wenn du wütend bist. Ehrenhaft zu handeln, wenn es niemand mitbekommt."
Zeigefinger
Wieso beschäftigen wir uns als Gesellschaft so oft eher mit den Menschen, die auf Probleme zeigen, als mit den Problemen selbst? Wir wollen auf folgende Arten Verantwortung übernehmen: - Problem und Kommunikation voneinander trennen: Das Problem existiert, auch wenn die Art, wie darauf hingewiesen wird, für uns in dem Moment unangenehm ist. Wir wünschen uns, dass betroffenen Menschen zugehört und dabei anerkannt wird, dass sie durch ihren Schmerz nicht immer in dem Zustand sind, die Probleme ohne Wut perfekt gewaltfrei benennen zu können. Wir erkennen an, dass das "perfekte Ausformulieren" emotionale Arbeit ist, die wir stärker von Gewalt betroffenen Menschen nicht noch zusätzlich aufbürden müssen. - Eigene autoritäre Verhaltensweisen hinterfragen: In unserer Gesellschaft wird sich häufig auf die Schuldfrage konzentriert. Dadurch kann es passieren, dass Menschen aus Angst vor Bestrafung in den Schutzmodus gehen und das Mitteilen von Emotionen als persönlichen Angriff und Vorwurf wahrnehmen. Gleichzeitig wurden wir auch selbst autoritär sozialisiert und wollen das in unserer eigenen Kommunikation beobachten. Wenn wir selbst die Kapazitäten haben, können wir daran arbeiten, unsere Wut und den darunterliegenden Schmerz an anderer Stelle zu verarbeiten, um Probleme dann effektiver kommunizieren zu können.
Schuldfrage
Wir verfallen in Konflikten häufig in den Modus, unbedingt die Schuldfrage klären zu wollen. Es ist wichtig, zu verstehen, was zu Eskalationen geführt hat, um gemeinsam herauszufinden, was "falsch" gelaufen ist und wie man in Zukunft besser miteinander umgehen kann. Wenn wir uns allerdings zu stark auf die Schuldfrage konzentrieren, kann das zu einem endlosen Zyklus von Vorwürfen werden. Durch (gesellschaftlich erlernte) Angst vor Bestrafung wird die beschuldigte Person defensiv und weist die Schuld ab. Die Parteien beschuldigen sich gegenseitig und sehen sich nicht in der Verantwortung. Es bleibt bei einem Gegeneinander, niemand geht einen Schritt aufeinander zu in Richtung Konfliktlösung.
Transmute / Wut-Brief
Ende Juni habe ich geschrieben, dass ich mich “das Wochenende” etwas zurückziehen will, um ein paar Emotionen fließen zu lassen und Dinge zu verarbeiten, die ich verdränge. Aus einem Wochenende wurde dann letztendlich der ganze Juli. Ich habe gemerkt, dass ich etwas mehr Abstand brauche, als gedacht, weil ich mich sehr ausgebrannt und gleichzeitig getrieben gefühlt habe. In diesem Monat habe ich viele verschiedene Phasen durchlebt, die ich noch in Texten verarbeiten will. Heute möchte ich von meinem Wut-Brief erzählen. Ich habe mir Ende Juli eine Woche freigenommen und mir vorgenommen, noch mal explizit meine Emotionen fließen zu lassen. Dienstag vormittags habe ich gestartet mit einer Breathwork-Atemübung, die ich in einem Workshop von Carlagelernt habe. Die psychedelische Wirkung dieser Übung überrascht mich immer wieder: Meistens wirbelt sie einiges auf, was sich in meinem Körper an Emotionen angestaut hat und ich brauche ein paar Tage, um das dann durchfließen zu lassen und mich danach klarer und befreiter zu fühlen. Dienstag und Mittwoch war ich dann jeweils tagsüber im Wald und am See. Ich war alleine unterwegs, bin an den See und hab das Wasser angeschaut, hab mich danach in den Wald gesetzt, die Natur auf mich wirken lassen und meditiert. Das alles mit möglichst wenig Zeit am Handy oder anderen Aktivitäten. Und boah, hat sich das teilweise scheiße angefühlt. Einfach da zu sitzen und sich nicht gut zu fühlen und das zu akzeptieren, ohne sich abzulenken, ist schwer auszuhalten. Ich konnte mich zum Glück ab und zu daran erinnern, dass ich das bewusst mache und dass es normal ist, sich so zu fühlen, dass die Gefühle einfach durchfließen müssen. Dadurch konnte ich von außen auf die Emotionen blicken und hab nicht alle negativen Gedanken, die ich mit den Gefühlen assoziiert habe, ernst genommen. Und irgendwie war es dann, obwohl ich mich nicht gut gefühlt habe, voll die schöne Erfahrung, an die ich mich sehr gerne erinnere, die für mich sogar mit zu den prägendsten des Jahres zählt. Ich hatte mein Leben lang so viel Angst vor “negativen” Emotionen, dass es immer darum ging, sie schnell wegzubekommen. Und jetzt lerne ich so langsam, dass jede Emotion ihre Daseinsberechtigung hat und dass es eine total schöne, rohe Erfahrung sein kann, einem Gefühl Raum zu geben, gegen das man sich so lange gewehrt hat. Die Tage waren scheiße und schön, shitty and sacred. Mittwoch abends bin ich dann durch die Stadt gelaufen und hab was zu essen gesucht. Und irgendwie wurde ich dann unzufrieden, nichts hat so richtig funktioniert. Auf dem Heimweg hat mich dann plötzlich die Wut gepackt. Ich war wütend auf diesen “scheiß Urlaub”, dass ich “nur rumsitze und es mir schlecht geht”. War plötzlich wütend auf ganz viele Dinge, die hochkamen. Ich konnte mich auch hier zum Glück daran erinnern, dass es OK ist, dass diese Emotionen hochkommen, dass ich jetzt die Gelegenheit habe, sie rauszulassen. Also bin ich wütend heimmarschiert, hab mich in mein Zimmer gesetzt, Musik angemacht und eine Stunde lang einen Wut-Brief geschrieben. Dabei habe ich einfach alles aufgeschrieben, ohne eine Pause zu machen, ohne zu hinterfragen. Die Methode wird auch Stream of Consciousness Writing genannt. Ich wollte etwas schreiben, was niemals jemand lesen wird und mir dadurch die Möglichkeit geben, Dinge zu schreiben, die ich sonst niemals sagen würde. Ich konnte nachträglich kaum noch was davon lesen, weil es so krakelig war. Das Wort verfickt kam sehr oft vor.
Bei mir ankommen
Ich habe letzte Woche über Anxiety geschrieben und dass es mir teilweise schwer fällt, unverfälscht an Texten zu schreiben, ohne dabei im Kopf zu haben, was andere darüber denken könnten. Das ist ein Thema, was mich in vielen Lebensbereichen begleitet. Ob in Beziehungen, als Gastgeber, in der Öffentlichkeit, geschäftlich, kreativ… Ich bin oft konstant am Überwachen, wie es Leuten geht und welche Auswirkungen mein Verhalten (oder Nichtverhalten) auf sie haben könnte. Ich habe mich die letzten zwei Jahre mit dem Thema People Pleasing beschäftigt und werde da in Zukunft noch mehr dazu schreiben. Zusammengefasst: Es ist schwer für mich aushaltbar, wenn es Menschen in meinem Umfeld nicht so gut geht und ich verfalle dadurch schnell in den Modus, ihre Emotionen managen zu wollen, um mich dann wieder besser zu fühlen. Das ist oft begleitet von Annahmen, dass ich was falsch gemacht habe und das jetzt sofort fixen muss, um die Situation wieder gut zu machen. Was dazu führt, dass ich ungefragt über meine Kapazitäten gehe, was dann irgendwann zu einer Eskalation führt, wenn ich mich nicht im selben Maße (ungefragt) unterstützt fühle. Eine Abwärtsspirale. Um dem vorzubeugen, habe ich versucht, Wege zu finden, wie ich wieder bei mr ankommen kann. Aus den Köpfen anderer Menschen heraus wieder in meinen Kopf, in meinen Körper. Kein Monitoring anderer Menschen, sondern ein Herausfinden, was ich eigentlich fühle, was mich umtreibt und was ich brauche. Ich habe Alleinsein sehr lange als etwas Negatives gesehen, als etwas Unfreiwilliges. Erst in den letzten Jahren habe ich bemerkt, dass es für mich extrem hilfreich ist, einfach mal für mich zu sein, abseits von externen Einflüssen. In Die Freiheit Allein Zu Sein beschreibt Sarah Diehl den Unterschied zwischen Einsamkeit und Alleinsein. Dass Alleinsein dabei helfen kann, möglichst unverfälscht die Welt und das Selbst zu erleben. Ich kann das Buch wirklich sehr empfehlen. “Alleinsein ist nämlich nicht (nur) die Abwesenheit von etwas oder jemand anderem, sondern die Anwesenheit meiner ungestörten Wahrnehmung.“ - Sarah Diehl Durch das Alleinsein können sich bei mir manchmal Dinge ordnen, die ich schon länger unbewusst mit mir herumtrage. Wie ein Wollknäuel, das einige Knoten hat, die Zeit und Ruhe brauchen, um sich zu lösen.
14. Juli 2025
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Artikel: Damien Echols über den Geist des Kriegers
Auf seinem Patreon hat Damien Echols einen Artikel mit dem Titel The Warrior’s Mind: Discipline as a Sacred Fire (Der Geist des Kriegers: Disziplin als heiliges Feuer) veröffentlicht. Er verwendet das Bild des Kriegers, um zu zeigen, wie alltägliche Disziplin eine zentrale Fähigkeit auf dem Weg der Transformation ist, einschließlich: Selbstbeherrschung, Sinn (Purpose), emotionaler Resilienz, Präsenz, Demut, Einsatz und Integrität, Stille und Alleinsein. Zitate auf dieser Seite sind frei übersetzt von der englischen Version des Artikels. "Menschen glauben, Krieger würden im Kampf geschmiedet. Doch in Wahrheit offenbart der Kampf nur die Schneide, die du bereits geschärft hast." "Ich habe Käfige aus Beton erlebt – und Käfige aus Bequemlichkeit." "Was also definiert den Geist eines wahren Kriegers? Es ist nicht Aggression. Es ist nicht Furchtlosigkeit. Es ist nicht Dominanz. Es ist Klarheit. Disziplin. Präsenz. Sinn." Und das geschieht nicht einfach so. Du kultivierst es – jeden Tag. "Selbstbeherrschung bedeutet nicht Bestrafung. Sie bedeutet Souveränität. Die Fähigkeit, deinen eigenen Geist, Körper und deine Emotionen zu beherrschen. Zu trainieren, wenn du müde bist. Mit Bedacht zu sprechen, wenn du wütend bist. Ehrenhaft zu handeln, wenn es niemand mitbekommt."
Artikel: Damien Echols über das Große Werk
Auf seinem Patreon hat Damien Echols einen Artikel mit dem Titel What is the Great Work? (Was ist das Große Werk?) veröffentlicht. Zitate auf dieser Seite sind frei übersetzt von der englischen Version des Artikels. "Das Große Werk ist der Sinn deines Lebens. Es ist der Grund, warum du hier bist." "Das Große Werk ist der Prozess des Erinnerns daran, wer und was du wirklich bist – und dann so zu leben." Damien erklärt die Redewendung Solve et Coagula: "Sie stehen für die Stadien des Auflösens des falschen Selbst und des Wiederaufbaus der Seele um etwas Echtes herum." Solve: "In den frühen Stadien des Großen Werks beginnt alles mit „solve“. Du löst deine alten Identitäten auf, deine Illusionen, deine Wunden und die Konditionierung von Kultur, Familie und Trauma." "Nicht alles auf einmal – sondern langsam, Schicht für Schicht." "Diese Phase kann sich wie ein Tod anfühlen." Coagula: